Obstbäume: Allgemeine Informationen, Pflanz- & Pflegehinweise sowie Tipps zur Auswahl

von | Sep 23, 2015 | 2 Kommentare

Wir müssen auf unserem Grundstück zwei Bäume pflanzen. Dabei favorisieren wir halbstämmige Obstbäume. Doch was ist eigentlich ein Obstbaum? Das Lexikon sagt: Obstbäume sind Bäume, die Obst tragen. Dabei ist mit Obst die Frucht gemeint, welche überwiegend roh gegessen werden kann und welche nach der botanischer Definition aus befruchteten Blüten von Pflanzen entsteht. Obstbäume wachsen als Kleinbaum oder mittelgroßer Baum und sind im heimischen Garten, in der Obstplantage oder auch auf Streuobstwiesen zu finden. Auch für kleine Gärten gibt es passende Züchtungen; sogenannte Spalierobst- oder Säulenobst-Bäume ist als Kübelpflanze geeignet für den Balkon, die Terrasse oder den Wintergarten. Bei den von Obstbäumen gewonnenen Obst-Früchten wird in vier Gruppen unterschieden: 1. Beerenobst wie z.B. Datteln, 2. Kernobst wie z.B. Apfel oder Birne, 3. Steinobst wie z.B. Kirsche oder Pflaume und 4. Südfrüchte wie z.B. Apfelsine oder Kiwi.

 

Hochstämme, Halbstämme & Büsche

Obstbäume gibt es in unterschiedlichen Formen: Hochstamm, Halbstamm und Busch. Jede Form hat dabei seine ganz eigenen Vor- und Nachteile. Generell ist zu sagen, dass einige Sorten einen Befruchter (andere Obstsorte) benötigen, um einen guten Ertrag zu gewährleisten.

Busch: Ein Obstbusch hat eine Stammhöhe von 40- 60 cm, dann verzweigt er sich und bildet den klassischen Busch. Da der Busch beim Kauf bereits 2 Jahre alt ist, trägt er bereits nach ein bis zwei Jahren. Obstbüsche werden selten über 4 m hoch und können durch Schnitt gut kleingehalten werden.

Halbstamm: Der Halbstamm hat eine Stammhöhe von 1,20 – 1,40 m, dann bildet er seine Krone aus. Bei dem Halbstamm setzt der Ertrag im Alter von 5 Jahren ein. In den meisten Fällen ist der Baum beim Kauf zwei Jahre alt, sodass er nach 2 – 3 Jahre richtige Erträge bringt. Einzelne Früchte kann er aber schon früher haben.

Hochstamm: Der Hochstamm wird auch als der klassische Obstbaum beschrieben. Er besitzt etwa eine Stammhöhe von 1,80 m, dabei wird die Krone um die 5 – 6 m breit und der Baum wird bis 12 m hoch. Es ist darauf zu achten, dass der Hochstamm am liebsten alleine oder in ausreichendem Abstand zu anderen Obstbäumen steht. Als Schattenspender kann er gut genutzt werden. Da er leider erst im Alter von 8 Jahren voll an zu tragen fängt, muss man nach dem Kauf (der Baum ist in der Regel 3 Jahre alt) noch 5 Jahre auf den Ertrag warten. Voher sind natürlich bereits einzelne Früchte am Baum.

 

Pflanzhinweise

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Bildquelle: marctwo  / pixelio.de

Die beste Zeit zum Pflanzen ist der Spätherbst, jedoch bevor der Boden durchgefroren ist. Die Jungbäume haben dann genug Zeit, bereits vor der Vegetationsperiode Wurzeln zu bilden. Dies ist besonders wichtig, wenn es im Frühling und Sommer zu trockenen und heißen Witterungsverläufen kommt. Durch die Anpflanzung im Spätherbst können viele Wässerungen eingespart werden, da das Wetter dies im Spätherbst selbst übernimmt.

Wenn man mehrere Obststräucher oder halbstämmige Obstbäume pflanzt und den Baum nicht mittig auf eine freie Fläche setzt, ist ein Mindestabstand von zwei Metern zu anderen Bäumen oder Objekten einzuhalten. Die Bäume entziehen dem Boden Nährstoffe und so kann es bei Unterschreitung des Mindestabstands sein, dass es zu vorzeitigen Vergreisungserscheinungen und Kümmerwuchs bei den Jungbäumen kommt. Hat man sich für einen Hochstamm entschieden, wird ein Mindestabstand von 10m empfohlen.

Für Obstbäume eignen sich Standorte, welche nicht besonders trocken, versumpft oder staunass sind. Der Boden sollte dabei durchlässig und locker sein. Der empfohlene pH-Wert liegt bei den meisten Obstbäumen bei 6 bis 6,5. Sollte der Boden zu sauer sein, sollte er mit kohlensauren Magnesium-Kalk aufgekalkt werden. Wenn der pH-Wert des Bodens nicht bekannt ist, sollte eine Bodenanalyse durchgeführt werden. Stark sandige Böden lassen sich mit Humus oder Bentonit verbessern, tonige und steinige Böden sollten gründlich gelockert werden, da sonst die Gefahr der Vernässung im Wurzelbereich besteht.

Wenn wir folgend zur Pflanzung des Obstbaums kommen, muss dafür eine Pflanzgrube ausgehoben werden. Dabei empfiehlt sich eine Größe von 1m Durchmesser und 60 cm Tiefe. Wenn mehr als 10 Bäume gepflanzt werden, sollte man über einen Pflanzlochbohrer nachdenken. Die Grubensohle sollte wie bereits erwähnt aufgelockert werden, um Staunässe zu vermeiden. Wenn der zu pflanzende Baum beschädigte Wurzeln besitzt, sollten diese abgeschnitten werden, um ein Abfaulen zu verhindern und gleichzeitig dafür zu sorgen, neues Wurzelwachstum anzuregen. Wurzelaktivitäten und Wurzelwachstum fangen ab 5° Celsius an. Der Obstbaum sollte nur so tief eingepflanzt werden, dass die Veredelungsstelle etwa eine handbreit aus dem Boden ragt. Folgend sollte der Boden angetreten,  mit Wasser geschlämmt und am Baum gerüttelt werden, um Hohlräume in der Erde zu füllen.

Um den neuen Baum zu stützen, sollte ein Stützpfahl mit einem Durchmesser von 7-8cm Dicke verwendet werden. Dieser sollte etwa bis zum Kronenansatz des zu pflanzenden Baumes reichen und vor dem Baum in der Pflanzgrube eingeschlagen werden, um im Nachhinein keine Wurzeln zu beschädigen. Mit einem Kokosstrick sollte folgend der Baum an den Stützpfahl angebunden werden. Dabei empfiehlt es sich, den Strick in Form einer Acht mehrmals um Baum und Stützpfahl zu binden. Folgend den Strick mit einigen Umdrehungen in der Mitte fixieren, um einen  Mindestabstand zwischen Baum und Pfahl zu gewährleisten. Dadurch wird ein Aufscheuern der Rinde bei Wind verhindert. Als Schutz vor Tieren empfiehlt sich eine Drahthose von ca. 1m Höhe, welche locker um den Stamm gelegt werden sollte. Eine solche Drahthose lässt sich leicht und preisgünstig aus Hasendraht selbst herstellen.

Um den Baum in den ersten Anwuchsjahren ausreichend vor Wasserkonkurrenz zu schützen, sollte in den ersten 5–7 Standjahren eine Baumscheibe mit einem Durchmsser von ca. 1m von Bewuchs freigehalten werden. Da die Anwuchszeit über Vitaliät und Ertragsfähigkeit des Baumes entscheidet, lohnt sich dieser Aufwand.

 

Pflegehinweise

obstbaum-pflegetippsBildquelle: BettinaF  / pixelio.de

Besonders Jungbäume müssen in den ersten 2-3 Jahren regelmäßig gewässert werden. Bereits beim Anpflanzen sollten sie ordentlich mit Wasser eingeschlämmt werden, damit sich der Boden richtig setzen kann. In Trockenphasen zwischen Mai und August sollte generell bei Bäumen bis zum 5. Standjahr gewässert werden. Zeichen, dass der Baum zu wenig Wasser bekommt, sind von den langen Seiten zur Mittelachse zusammengerollte oder gelbe Blätter.

Ein weiteres spannendes Thema ist die Düngung. Doch welches Düngemittel eignet sich für Obstbäume? Ideal ist gut abgelagerter und zersetzter Mist von Rindern, Schafen und Pferden. Da dieser nicht jedem zur Verfügung steht, wird ebenfalls reifer Kompost emphohlen, welcher mit Stickstoffdüngern wie Hornspäne oder Hornmehl angereichert werden sollte. Bei Kernobst empfiehlt sich eine Beigabe von 70 bis 100 Gramm pro Baum, bei Steinobst sollten es 100 bis 140 Gramm Dünger beigegeben werden. Um Obstgehölze mit zusätzlichen Spurenelementen zu versorgen, kann dem Kompost noch etwas Algenkalk oder Gesteinsmehl hinzugegeben werden. Es können aber auch gekörnte oder pelletierte organische Universaldünger oder solche, die speziell für Gehölze geeignet sind, eingesetzt werden. Vor dem Einbringen von Dünger sollte man wissen, wie die Lage des aufnehmenden Wurzelsystems ist. Der Wurzelteller aus starken Wurzeln ist meist im Bodenbereich unterhalb der gesamten Baumkrone, dieser nimmt aber nicht die Nährstoffe auf. Dafür sind zumeist feine Saugwurzeln verantwortlich, die sich etwas außerhalb der Kronentraufe befinden, da sie für die Wasser- und Nährstoffaufnahme verantwortlich sind.

Wichtig für den fortlaufenden Ertrag von Obstbäumen ist der regelmäßige Obstbaumschnitt, da dieser den für den Fruchtansatz notwendige permanente Verjüngung garantiert. Zusätzlich ist eine licht- und luftdurchlässige Baumkrone robuster gegenüber Krankheits- und Schädlingsbefall. Zum stabilen und langlebigen Kronenaufbau gehört deshalb ein  fachgerechter Erziehungs- und Aufbauschnitt mit einem Mitteltrieb und 3– 4 Leitästen je Leitastebenen. Das Baumschnittgut sollte auf leicht zugänglichen Grundstücken mit gut befestigten Wegen lieber durch Abtransport auf einen Kompostplatz oder durch Verbrennen entfernt werden, bevor sich Müllstellen auf dem Grundstück bilden.

Wichtig ist der Hinweis, dass außer einigen Neuzüchtungen der letzten Jahre eigentlich alle Obstsorten selbstunfruchtbar sind. Das heißt, dass zur Bestäubung die Pollen einer anderen Obstorte von den Insekten mitgebracht werden müssen. So kann es sein, dass z.B. ein Kirschbaum trotz sonst optimaler Bedingungen nicht trägt, weil keine passende Obstbaumsorte im Umkreis ist, welche zur Bestäubung notwendig ist. Darauf muss bei der Auswahl der Sorten geachtet werden. Unverzichtbare Helfer bei der Bestäubung und Befruchtung der Obstbäume sind Insekten wie Bienen, Hummeln und Wildbienen. Obstbäume bieten dafür eine ideale Nahrungsquelle, da die Blätter, Blüten, der Frucht-Saft und die Knospen von Obstbäumen eine ideale Nahrungsquelle darstellen. Auch zahlreiche Vögel und die Raupen vieler Schmetterlinge ernähren sich von Obstbäumen und deren Fallobst. Obstbäume können deshalb auch als Ergänzung zu einer Schmetterlingshecke gepflanzt werden, um den heimischen Garten mit Schmetterlingen oder Vögeln zu beleben.

 

Auswahl der Obstsorte

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Bildquelle: Petra Hegewald  / pixelio.de

Klar ist, alle Obstbäume bedürfen Platz und ein wenig Pflege. Ganz ohne geht es nicht. Wenn man sich damit angefreundet hat und die Schnittmaßnahmen akzeptiert, kann man sich über die genauen Sorten Gedanken machen. Die verschiedenen am Markt erhältlichen Obstbaumsorten wurden seit Jahrhunderten kultiviert und bis heute wird laufend der Versuch unternommen, die Sorten z.B. noch besser frosthart, mehltauresistent oder virusfrei zu züchten. Arten, die ohne Kultivierung und Veredeln in freier Natur zu finden sind, werden auch Wildobstbäume genannt. Diese “alten” Obstbaumsorten findet man in gut sortierten Baumschulen oder bei Nischenanbietern im Netz.

Wichtig bei der Auswahl der Sorten ist die Frage, wie ich das Obst verwenden will. Soll es eher als Tafelobst, als Lagerobst für den Keller oder für die Verarbeitung zu Saft oder Wein sein. Aktuelle Züchtungen haben den Vorteil, dass sie ideal auf die heutigen Wetterbedingungen mit ausgeprägten Trocken und Feuchteperioden vorbereitet sind. Das Mischen mit alten Obstbaumsorten kann aber vorteilhaft sein, da einige ältere Sorten unter unseren heutigen geänderten Klimabedingungen nicht besonders robust sind. Des Weiteren kann auch die Höhenlage des Standortes über NN eine wichtige Rolle bei der Sortenwahl spielen.

Wer wenig Zeit in die Pflege investieren will oder nur wenig Platz im Garten hat, für den stellt Säulenobst die beste Alternative zu einem groß wachsenden Obstbaum dar. Halbstämmige Obstbäume eignen sich besonders für die meisten Gärten, da sie mit einer Stammhöhe von 1,20 – 1,40 m ohne Probleme zu ernten sind und gleichzeitig ermöglichen, mit dem Rasenmäher den Rasen unter dem Baum zu schneiden. Zudem sind sie mit einer maximalen Höhe von etwa 4 m auch in den meisten Gärten unterzubringen.

Wir favorisieren derzeit die Anpflanzug von drei Obstbäumen: einem Apfel-, einem Pflaumen- sowie einem Kirschbaum. Folgend werden wir uns mit den Herausforderungen dieser Obstbäume beschäftigen sowie einige empfehlenswerte Sorten benennen.

Apfelbaum: Wichtig bei der Auswahl des passenden Apfelbaumes ist, wie der Apfel schmecken soll. Eine oft empfohlene Apfelsorte ist Retina. Sie ist äußerst saftig und überzeugt mit süß-säuerlichem Aroma und hervorragender Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten wie Mehltau oder Feuerbrand. Die Sorte Piros ist besonders süß und aromatisch, ist bereits im Juli reif und ist enorm frosthart. Wem die Lagerung des Apfels wichtig ist, für den empfehlen sich die lagerungsfähigen Sorten Rebella oder Rewena. Sie sind besonders resistent gegenüber Schorf, Mehltau und Feuerbrand, schmecken sehr fruchtig und sind nach der Ernte bis März lagerbar. Die Sorte Topaz wird als “Edelstein” beschrieben. Die Sorte ist ab Oktober pflückreif und nach kurzer Lagerung auch genussreif. Geschmacklich soll sie die beste schorfresistente Sorte sein. Sie schmeckt saftig, süß mit frischer Säure, aromatisch, würzig. Sie hat mittelgroße Früchte mit einer orangeroten Deckfarbe, welche gestreift aussieht.

Pflaumenbaum: Leider sind  Pflaumensorten wie Zwetschgen, Mirabellen und Reneklode zum Teil sehr anfällig für Krankheiten wie beispielsweise der Scharka-Krankheit. Übertragen wird der Virus durch Blattläuse und sorgt für unansehnliche braune Stellen an Schale und Fruchtfleisch. Hier werden neuere Züchtungen empfohlen, die eine höhere Widerstandskraft gegen Krankheiten haben und zumeist selbstbefruchtend sind, wodurch sie bereits ab dem ersten Jahr nach der Pflanzung eine gute Ernte bringen. Bei den Pflaumensorten gibt es frühe und späte Sorten. Frühsorten sind besonders beliebt, aber wegen ihrer frühen Blüte nicht für spätfrostgefährdete Lagen geeignet. „Katinka“ ist eine scharkatolerante Frühsorte mit bis zu 30 Gramm schweren, süß-aromatischen Zwetschgen. Sie reifen ab Anfang Juli und eignen sich auch gut zum Backen, denn die Früchte haben festes Fruchtfleisch und lösen sich gut vom Stein. Mittelfrühe Sorten wie Felsina und Topfive besitzen große Früchte, überzeugen mit einer geringen Fäulnisanfälligkeit, sind äußerst schmackhaft und ab August reif. Empfehlenswerte Spätsorten sind Habella und Presenta, die Letztere lässt sich sehr gut lagern.

Kirschbaum: Süßkirschen eignen sich als Tafelobst hervorragend zum Naschen, am besten erntefrisch vom Baum. Als Basis für den Kirschbaum empfiehlt sich Gisela 5. Gisela 5 ist stark wachsend (4 m hoch) und ist bereits nach 2-3 Jahre ertragreich. Sie zeichnet sich durch einen gute Sortenverträglichkeit aus und wird 25 Jahre alt. Zu den frühen Süßkirschen, deren Erntezeit bereits Ende Mai beginnt, gehören zum Beispiel die dunkelroten Sorten Burlat und Kassins Frühe Herzkirsche. Etwas später im Juli reifen die dunkelroten Sorten Regina und Kordia. Bei starken Regengüssen platzen die meisten Süßkirschen, sodass diese nicht allzu lang am Baum gelassen werden sollten. Es ist zu erwähnen, dass die meisten Kirschsorten eine zweite Sorte zur Befruchtung in der Nähe benötigen. Sollte kein Kirschbaum in der Nähe sein, werden selbstbefruchtende Süßkirschensorten wie Lapins oder Sunburst empfohlen.

Artikelbild: uschi dreiucker  / pixelio.de

Die drei W’s: wer, was und warum

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