Neubaugebiet Östlich Fadens Tannen – Stadt Norderstedt lernt dazu

von | Okt 21, 2016 | 0 Kommentare

Die Stadt Norderstedt lernt dazu, bisher leider nur noch nicht bei uns. Im Gebiet “Östlich Fadens Tannen” hatte die Stadt zusammen mit Bauland Schleswig-Holstein Beteiligungs-GmbH vor, ein weiteres innovatives Neubaugebiet zu realisieren. Nach dem Vorbild vom Solardorf Müllerstraße enthielten die Planungen in 2014 weitreichende Überlegungen, ein Energiekonzept mit vielen Einzelbausteinen zu realisieren. Einige der Komponenten kamen uns direkt bekannt vor. Spannend war für uns, wie ist der aktuelle Stand, wie löst dieses Projekt die Herausforderungen und kann man da ggf. etwas auf das Solardorf Müllerstraße transferieren.

Folgend erst einmal das Energiekonzept des Gebiet “Östlich Fadens Tannen” aus 2014:

Skizzierung eines Energiekonzeptes

  • Die zu errichtenden Häuser müssen der Energieeinsparverordnung 2014 entsprechen
    Nach jetzigem Stand sind die Häuser in der Effizienzklasse mind. nach KfW 70 zu errichten. Durch die verbesserte Dämmung/Anlagentechnik/Baustoffe, z.B. Dreifach-Verglasung, wird der Energieverbrauch durch die neue Verordnung weiter gesenkt.
  • Solaranlagen (Festsetzungen nach §9 Abs. 1 Nr. 23 BauGB)
    Vorgabe der Höhe der Energiegewinnung für Brauchwassererwärmung und Raumheizung in Abhängigkeit vom Verlauf der geplanten Firstrichtung der Häuser. Es soll Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Die eventuelle Verschattung durch Bäume auf dem Knick ist dabei zu berücksichtigen.
  • Vernetzung des Baugebietes (Smart Grid)
    Die Häuser werden miteinander vernetzt. Die Solaranlagen der jeweiligen Gebäude speisen in dieses gemeinsame Netz ein. Sollten die Solaranlagen insgesamt einen Überschuss an Strom liefern, kann die überschüssige Energie in das Netz z.B. der Stadtwerke eingespeist werden. Das Ergebnis verbleibt bei der Hauseigentümergemeinschaft.
  • Drehstromanschluss bei Garagen / Carports
    Mit dem Drehstromanschluss können Batterien, z.B. für Elektroautos, aufgeladen werden.
  • Regenwassernutzunganlage
    mind. 1m3 Fassungsvermögen für Gartenbewässerung und ggf. Toilettenspülung. Eine Regenwassernutzung vermindert den Trinkwasserverbrauch und die Kosten für Trink- und Abwasser werden gesenkt.
  • Einsparung von Energie z.B. durch ein Bussystem
    (sogenannter Europäischer Installations Bus EIB) Mit der Bustechnik können z.B. Heizungen, Jalousien, Leichten oder sogar Kühlschränke und Fernseher vernetzt werden. Mittels dieser Vernetzung können sie angeschlossenen Geräte überwacht, gesteuert, kontrolliert und geschaltet werden.
  • Lichtsystem mit LED-Technik
    Der Stromverbrauch in den Häusern wird gesenkt.
  • Zentrale Staubsaugeranlage
    Durch die Trennung von Sauger und Saugschlauch entsteht in den Räumen beim Saugen keine schädliche feinstaubhaltige Lust. Die Anlage in energiesparend und hat geringe Folgekosten.

Der Bebauungsplan 294 “Östliche Fadens Tannen” ist seit Anfang 2016 gültig. Nach Aussage der Bauland Schleswig-Holstein Beteiligungs-GmbH sind bereits auch alle Grundstücke verkauft.  Nach Auskunft der neuen Bauherren in dem Gebiet ist von dem ursprünglichen Energiekonzept aus 2014 nicht viel übrig geblieben. Das Konzept ist anscheinend im Dialog zwischen Stadt Norderstedt und der Bauland Schleswig-Holstein Beteiligungs-GmbH angepasst worden, die Bauherren wurden darin nicht eingebunden.

Der aktuell gültige Bebauungsplan 294 hat nun ein Energiekonzept, welches sich die Bauherren im ehemaligen Solardorf Müllerstraße auch gewünscht hätten. Dieses enthält nur noch eine Verpflichtung zur Nutzung von Photovoltaik oder Solarthermie. Dies aber auch nur, wenn es die jeweiligen Verschattungen auf den Grundstücken wirtschaftlich sinnvoll zulassen. Dies ist in dem Baugebiet nur bei drei Grundstücken der Fall. Allen anderen Bauherren steht es frei, in welchem Maße und überhaupt sie auf erneuerbare Energien setzen.

Spannend ist das Konzept in seiner Handlungsempfehlung in Bezug auf die zu nutzende Heizungsform:

Aus wirtschaftlicher Sicht muss man zu dem Ergebnis kommen, dass bei Neubauten mit hohem energetischem Standard auf Grund des geringen Verbrauchs die Technologie am wirtschaftlichsten ist, welche die geringsten Investitionen aufweist. Mit den Einsparungen über den Brennstoffpreis, wie z.B. bei Pelletheizungen, oder durch die Substitution durch solare Nutzung können die erhöhten Investitionen nicht refinanziert werden.

Somit ist die klassische Erdgasheizung mit den geringsten Investitionen auch bei einer Vollkostenbetrachtung (inkl. Investitionen & Wartung) die wirtschaftlichste Lösung. Unter Berücksichtigung der aktuellen Gesetzgebung darf diese jedoch nur alleine genutzt werden, wenn die Gebäudehülle mindestens 15% besser ist, als es die EnEV vorschreibt. Bei Gebäuden mit mindestens KfW 70 Standard ist dieses Kriterium zumeist erfüllt

Die Wahl der Heizungsform ist in diesem Gebiet also völlig frei. Aus welchem Grund die Stadt beim Bebauungsplan 294 zu diesem logischen Ergebnis kommt, im Gebiet des Solardorfes Müllerstraße aber einen Anschlusszwang an die teure Fernwärme vorschreibt, ist nicht nachvollziehbar. Auch hier sind alle Häuser mindestens nach dem Standard KfW 70 erstellt worden. Nach aktuellen Auswertungen in unserem Haus kommen wir auf ein Verhältnis von 59% für die Grundgebühr zu 41% an Verbrauchskosten. Das ist nicht sonderlich fortschrittlich und schon gar nicht preiswerter. Selbst in einem aktuellen Gerichtsverfahren weigert sich die Stadt Norderstedt weiter vehement, die anscheinend doch schon gewonnenen Erkenntnisse zu transferieren und auch den Anwohnern im ehemaligen Solardorf Müllerstraße zu gewähren.

Die drei W’s: wer, was und warum

Hallo, dieser Blog ist über das "Solardorf Müllerstraße" in Norderstedt. Das einstige Vorzeigeprojekt der Energiewende verkommt mehr und mehr zu einer Ansammlung von Absurditäten. Hier berichte ich aus unserer persönlichen Sicht als Bauherren über den Sachstand und die aktuellen Entwicklungen. Dieser Blog dient ausdrücklich dafür, potentielle Interessenten weiterer Goodnest Solardörfer in Norderstedt (z.B. Flensburger Hagen) umfassend über die Risiken zu informieren.