NDR 1 Welle Nord – Solardorf mit seltsamen Regeln

von | Jun 9, 2017 | 0 Kommentare

E-Mobilität - Solardorf mit seltsamen Regeln

von NDR 1 - Welle Nord

Der NDR 1 Welle Nord hat aktuell ein Themenspezial zum Thema Elektromobilität. Dazu testet eine Familie aus Henstedt-Ulzburg für zwei Wochen ein Elektroauto.

Auch uns im Solardorf Müllerstraße ist das Thema Elektromobilität nicht fremd, immerhin haben bereits zwei Nachbarn ein Elektroauto vor der Türe stehen. Doch neben dem Interesse an Nachhaltigkeit gibt es bei uns immer noch absurde Regelungen, die so eigentlich nie vereinbart wurden, aber irgendwie nicht aus der Welt schaffen lassen.

 

Transkript:

Moderator: NDR 1 Welle Nord – Reden wir ein wenig über die Zukunft. In Zukunft fahren wir nur noch mit Elektroautos, das sagen ja viele Experten. Familie Sargasse aus Henstedt-Ulzburg probiert es ja gerade für uns aus und nur einen Ort weiter, in Norderstedt, da sorgen genau diese Elektroautos für echte Probleme. In einer kleinen Siedlung, dem Solardorf Norderstedt Ossenmoorring, da müssen einige Bewohner ein E-Auto haben – also müssen tatsächlich – sonst dürfen sie gar nicht auf ihrem Grundstück parken. So geht die Geschichte weiter, fragen wir jemanden der da wohnt, der diese Idee gar nicht schlecht fand und das ist Jonas Röntgen, das ist einer der Bewohner. Moin Herr Röntgen.

Röntgen: Moin Moin.

Moderator: Bei Ihnen sollte das ja alles total nachhaltig sein, es klingt für mich auch ganz toll. Eine Siedlung sollte sich selbst mit Energie versorgen, wie weit sind sie denn gekommen damit?

Röntgen: Die Idee war sehr sehr gut. In der Realität hat sich hinterher gezeigt, dass viele Komponenten wie z.B. die Ladebox, welche dafür da war, den Strom vom Haus ins Auto zu leiten und – so sah das Projekt es vor – auch vom Auto zurück ins Haus, wenn man gerade nichts produziert oder auch der Hausakku auch im Haus nichts hat, dass man den Fernseher damit z.B. betreiben kann, verschiedene Komponenten waren am Markt nicht verfügbar die eigentlich geplant waren und die sich auch logisch anhörten. So kam mit der Zeit heraus, dass diese Idee, die sich sehr sehr gut anhörte, in vielen Punkten nicht umsetzbar war und der Modellcharakter, worin eigentlich viele investieren wollten, gar nicht gegeben ist.

Moderator: Aijaijai – das macht nicht so gute Laune glaube ich bei allen die da wohnen. Jetzt habe ich aber gelesen, einige Anwohner müssen ein E-Auto haben, wieso müssen sie denn eins haben?

Röntgen: Also das Projekt sah eben vor, dass das Elektroauto Bestandteil des Gesamtkonzepte ist. Ja und dann haben sich die Projektbeteiligten zusammen gesetzt und haben überlegt, wie bekommt man dies denn geregelt und die Regelung die sie gefunden haben war, dass man auf seinem Grundstück nicht parken darf wenn man das Elektroauto nicht besitzt und nicht auf dem eigenen Grundstück lädt. Was defakto heisst, dass man auf dem Grundstück nicht parken darf, nur zwei Nachbarn haben bisher ein Elektroauto und das Elektroauto was im Projekt vorgesehen war auch gar nicht verfügbar ist.

Moderator: Das ist jetzt – ich kann das gar nicht glauben – mir fehlen die Worte. Das heisst, sie parken nun an irgendeiner anderen Straße und gehen dann zu Fuß nach Hause?

Röntgen: Nein, so schlimm ist es nicht. Also faktisch ist es so, dass die Nachbarn, es betrifft auch nur die Hälfte der Nachbarn, auf dem eigene Grundstück nicht parken dürfen, wenn sie das Elektroauto nicht besitzen, faktisch ist es noch nicht durchgesetzt worden, von daher parken die Nachbarn dort aber rechtswidrig. Dass heisst, wenn welche Stelle auch immer sich überlegt das zu ahnden, dann könnte dort natürlich eine Ordnungswidrigkeitsklage bzw. Verfahren angestrengt werden.

Moderator: Dann wird es aber wirklich absurd. Warum denn eigentlich nur die Hälfte, was ist da denn jetzt?

Röntgen: Es waren im Baugebiet Einzel- und Doppelhäuser geplant und der Bauträger, welcher die Doppelhäuser bauen wollte, was etwa die Hälfte der Grundstücke betrifft, hat diese Regelungen optional drinne für das Paket.

Moderator: Also es tut mir Leid. Ich muss hier dauernd schmunzeln. Welche Hoffnungen haben sie denn, dass sich das alles irgendwann mal auflöst und so wird wie es geplant war?

Röntgen: Also wir haben in zwei Wochen ein Gespräch mit der Stadt, wo wir ausloten wollen, wie denn der aktuelle Stand ist und wie auch der Umsetzungsstand ist und hoffen, dass wir mit der Stadt und der Stadtwerke vielleicht nochmal eine Neuauflage des Projektes starten können oder eine modifizierte, wo man guckt, wie kann man das vielleicht mit einem Zeithorizont von fünf Jahren doch noch zu einem Erfolg führen. Die Größte Hoffnung ist zumindest für die Nachbarn, die die Regelung mit dem Parkverbot auf dem Grundstück haben, dass zumindest diese Regelung der Vergangenheit angehört.

Moderator: Joa, bis dahin wenden Sie ihr Fahrzeug mit Energie, das mit der Energiewende war auf jeden Fall anders geplant. Danke Ihnen für das Gespräch und das Beschreiben des kleinen Absurdistan in Norderstedt. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und viel Glück.

Röntgen: Vielen Dank.

Moderator: Es gibt auch Filme dazu übrigens. Die Kollegen von Extra 3 haben einen Film dazu gemacht, finden Sie alles auch bei uns auf der Facebookseite, alle Infos zum Thema Elektromobilität gibt es natürlich auch bei uns online im Netz auf ndr.de/shh. Wir werden Norderstedt mal ein wenig im Auge behalten, mal sehen, wie das da weitergeht.

 

Bildquelle: JB / pixelio.de

Die drei W’s: wer, was und warum

Hallo, dieser Blog ist über das "Solardorf Müllerstraße" in Norderstedt. Das einstige Vorzeigeprojekt der Energiewende verkommt mehr und mehr zu einer Ansammlung von Absurditäten. Hier berichte ich aus unserer persönlichen Sicht als Bauherren über den Sachstand und die aktuellen Entwicklungen. Dieser Blog dient ausdrücklich dafür, potentielle Interessenten weiterer Goodnest Solardörfer in Norderstedt (z.B. Flensburger Hagen) umfassend über die Risiken zu informieren.